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WOOP: Wie aus Wünschen verlässliche Pläne werden

Autorenbild: Dr. Oliver Schinnerl
Dr. Oliver Schinnerl
vor 10 Stunden
6 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du das: Du stellst dir vor, wie gut es sich anfühlen wird, wenn du „es“ endlich geschafft hast. Je schöner das Bild in deinem Kopf wird, desto angenehmer fühlt sich der Moment an – und dennoch passiert nichts danach. Stell dir vor, du möchtest, dass deine Abende ruhig sind, du besser schläfst und weniger am Handy hängst. Dir gefällt die Vorstellung, aber sobald du auf der Couch sitzt, greifst du doch wieder zum Telefon.

 

Das liegt selten daran, dass du zu wenig träumst. Es liegt daran, dass dich das Träumen zu einem gewissen Grad schon zufriedenstellt. Wer sich den Erfolg lebhaft ausmalt, nimmt einen Teil des guten Gefühls vorweg – und verliert die Spannung, die ihn in Bewegung gebracht hätte.

 

Eine angenehme Vorstellung allein beantwortet noch nicht, was du im entscheidenden Moment anders tun wirst. Wenn du nur im erhofften Ergebnis verweilst, kann die Auseinandersetzung mit dem Weg dorthin zu kurz kommen.

 

Ein Wunsch wird greifbarer, wenn du ihn mit deiner gegenwärtigen Situation verbindest.

 

Warum eine schöne Zukunftsfantasie allein nicht genügt

Die Psychologin Gabriele Oettingen untersucht, wie Vorstellungen von der Zukunft unser Handeln beeinflussen. Dabei unterscheidet sie idealisierte positive Fantasien von Erwartungen und konkreter Planung. Ihre Forschung richtet sich nicht pauschal gegen Zuversicht oder das Ausmalen eines Ziels, jedoch widerspricht ihre Beobachtung einem populären Versprechen: Sich allein den Erfolg auszumalen macht ihn nicht immer wahrscheinlicher – oft sogar unwahrscheinlicher.

 

In Experimenten von Heather Barry Kappes und Gabriele Oettingen aus dem Jahr 2011 gingen idealisierte positive Zukunftsfantasien mit geringerer anschließender Energie einher als die jeweiligen Vergleichsbedingungen. Untersucht wurden physiologische und verhaltensbezogene Indikatoren. Das spricht dafür, die angenehme Vorstellung um einen Blick auf die realen Anforderungen zu ergänzen.

 

Das Gegenmittel ist nicht, negativ zu denken. Es ist, beides zu verbinden: den Wunsch und das, was ihm im Weg steht. Oettingen nennt dies mentale Kontrastierung.

 

Auch ein Vision Board kann ein Anlass sein, über Wünsche nachzudenken. Für die Umsetzung bleibt jedoch eine weitere Frage offen: Was steht deinem Wunsch konkret im Weg, und wie willst du damit umgehen?

 

Die vier Schritte von WOOP

Aus dieser Forschung hat Oettingen ein Werkzeug gemacht, das man sich leicht merken kann: WOOP. Die vier Buchstaben stehen für Wish, Outcome, Obstacle, Plan – Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan.

Handgezeichnetes WOOP-Schema mit den vier Schritten Wunsch, Ergebnis, Hindernis und Plan.

Zuerst der Wunsch: Was möchtest du in der nächsten Zeit erreichen? Etwas, das herausfordernd, aber machbar ist. Dann das Ergebnis: Stell dir das beste Gefühl vor, das mit der Erfüllung verbunden wäre – einen Moment lang ganz konkret.

 

Beim Hindernis fragst du: Was in mir steht diesem Wunsch im Weg – ein Gefühl, ein Gedanke oder eine Gewohnheit? Reale äußere Grenzen verschwinden dadurch nicht. Prüfe deshalb zuerst, ob der Wunsch unter deinen derzeitigen Bedingungen machbar ist, und suche dann ein inneres Hindernis, mit dem du in diesem Spielraum arbeiten kannst.

 

Schließlich formulierst du einen Plan: „Wenn [Hindernis] auftritt, dann tue ich [konkrete Handlung].“ So verbindest du einen erkennbaren Moment mit einer passenden Reaktion und aus dem Wunsch ist eine Wenn-dann-Verknüpfung geworden, die im richtigen Moment greift.

 

Warum der Plan in dieser Form so stark wirkt

Dieser letzte Schritt beruht auf der Arbeit des Psychologen Peter Gollwitzer zu Implementierungsintentionen. Gemeint sind Wenn-dann-Pläne, die festlegen, in welcher Situation du eine bestimmte Handlung beginnen möchtest. Er zeigte, dass simple Wenn-dann-Pläne – er nennt sie Vorsätze – erstaunlich zuverlässig wirken.

 

Der Grund ist einfach. Ein vager Vorsatz („Ich will mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte abends mehr lesen“) lässt im entscheidenden Moment alle Türen offen. Ein Wenn-dann-Plan („Wenn das Nachmittagstief kommt, dann trinke ich erst ein Glas Wasser und warte zehn Minuten“ oder „Wenn ich auf dem Sofa aus Langeweile zum Handy greifen will, dann lege ich es auf die Ladestation im Flur und lese zwei Seiten“) koppelt die Handlung fest an eine Situation, die als Auslöser wirkt.

 

Ein solcher Plan kann helfen, den passenden Moment zu erkennen und die vorbereitete Handlung leichter zu beginnen. Du musst dann weniger neu abwägen. Dein Gehirn erkennt die Situation wieder und ruft die Handlung fast von selbst ab. Du sparst genau die Willenskraft, die dir sonst im schwächsten Moment fehlt. Das macht die Umsetzung wahrscheinlicher, garantiert sie jedoch nicht.

 

Gollwitzer und Paschal Sheeran fassten 2006 die Ergebnisse von fast hundert Tests mit mehr als 8.000 Teilnehmenden zusammen und fanden einen positiven Effekt von Wenn-dann-Plänen auf die Zielerreichung. Das Ergebnis: Wer seinen Vorsatz als Wenn-dann-Plan formuliert, setzt ihn deutlich zuverlässiger um – quer durch die unterschiedlichsten Lebensbereiche.

 

WOOP an einem Beispiel

Nimm einen vertrauten Vorsatz: abends nicht mehr eine Stunde am Handy zu versinken. Der Wunsch ist klar – mehr Ruhe vor dem Schlafen. Das Ergebnis stellst du dir kurz vor: ein ruhiger Kopf, besserer Schlaf, ein Morgen ohne das schale Gefühl der verlorenen Zeit.

 

Jetzt das Hindernis. Es ist nicht „das Handy“ – es ist der Moment auf dem Sofa, wenn die Leere des Feierabends sich meldet und der Griff zum Telefon der einfachste Ausweg ist. Dein Plan: „Wenn ich nach dem Abendessen zum Handy greifen will, dann lege ich es in den anderen Raum und schlage stattdessen mein Buch auf.“ Wichtig ist, dass der Auslöser zu deinem tatsächlichen Hindernis passt.

 

Du hast damit eine Antwort für einen wiederkehrenden Moment vorbereitet. Ob sie zu dir passt, zeigt sich beim Ausprobieren.

 

Das Hindernis ist der Punkt, an dem es kippt

Die meisten Menschen springen vom Wunsch direkt zum Plan. Genau das macht WOOP anders – und schwerer, als es klingt. Der Schritt „Hindernis“ verlangt, ehrlich nach innen zu schauen, statt nach außen zu zeigen. Nimm dir für beides einen ruhigen Moment, bevor du den Plan formulierst. Die Reihenfolge gehört zur Methode.

 

Beim Schritt „Hindernis“ lohnt es sich, genauer zu werden. Hinter „Ich komme nicht dazu“ kann ein vermeidbares Ausweichen liegen, aber auch ein tatsächlich überfüllter Tag. Beides verlangt unterschiedliche Antworten.

 

Es gibt noch eine zweite Tiefe. Oettingens Forschung zeigt, dass die mentale Kontrastierung nur dann zum Handeln antreibt, wenn du den Erfolg für realistisch hältst. Hältst du ihn für aussichtslos, hilft dir dasselbe Werkzeug, loszulassen – auch das ist ein wertvolles Ergebnis. Hier ist es mir jedoch ein Bedürfnis festzuhalten, dass das, was realistisch für dich ist und was nicht, vielfach von deinen eigenen Gedanken bestimmt ist. Ich denke, dass jeder Mensch viel mehr in sich hat, als er glaubt.

 

Wo WOOP in deinen Alltag passt

WOOP ist nicht nur etwas für die großen Vorhaben. Gerade die kleinen, wiederkehrenden Vorsätze profitieren – der Spaziergang, der ausbleibt, das Gespräch, das du aufschiebst. Fünf Minuten reichen, um die vier Schritte einmal durchzugehen.

 

Wichtig ist nur, dass das Hindernis wirklich in dir liegt. „Keine Zeit“ ist meist eine Hülle. Darunter steckt oft etwas Konkreteres: die Erschöpfung am Abend, die Angst vor dem ersten unbeholfenen Versuch, die Bequemlichkeit des Sofas.

 

Wenn der Plan nicht greift, prüfe ihn: Hast du das Hindernis im entscheidenden Moment erkannt? War die geplante Handlung machbar und hilfreich? Vielleicht brauchst du einen deutlicheren Auslöser, einen kleineren Schritt oder einen Wunsch, der besser zu deinen aktuellen Bedingungen passt.

 

Welcher Moment oder welches Hindernis taucht bei dir immer wieder auf, und woran würdest du ihn rechtzeitig erkennen?

 

Dein erster Schritt

Du brauchst dafür keine App und keinen großen Plan. Du brauchst fünf ruhige Minuten und einen Zettel.

  • Wähle einen Wunsch für diese Woche – etwas, das dir wichtig, aber nicht selbstverständlich ist.

  • Stell dir kurz das beste Ergebnis vor, dann frag dich ehrlich: Welches innere Hindernis steht mir wirklich im Weg?

  • Schreib einen einzigen Wenn-dann-Satz auf: „Wenn [Hindernis], dann [kleine, konkrete Handlung].“

 

Lies deinen Satz noch einmal durch. Kannst du den Auslöser erkennen und die Handlung in dieser Situation ausführen? Wenn beides passt, probiere den Plan in den nächsten Tagen aus.

 

Ein Wunsch zeigt dir, wohin du willst. Ein Hindernis zeigt dir, was dazwischensteht. Und ein guter Plan sorgt dafür, dass du im richtigen Moment nicht neu entscheiden musst, sondern einfach handelst.

 

Im Evoliare-Prozess gehört WOOP zur Phase Handeln: Es übersetzt einen Wunsch in einen konkreten Plan, den du im Alltag erproben und bei Bedarf anpassen kannst.

 

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Idealisierte positive Zukunftsfantasien allein können die anschließende Energie verringern. Daraus folgt kein allgemeines Urteil gegen positives Denken.

  2. Mentale Kontrastierung verbindet ein gewünschtes Ergebnis mit der gegenwärtigen Realität. Dies kann deinen Antrieb steigern.

  3. WOOP führt in vier Schritten dorthin: Wish, Outcome, Obstacle, Plan – Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan.

  4. Der Plan ist ein Wenn-dann-Satz: Er koppelt die Handlung an eine Situation (einem erkennbaren Auslöser) und spart Willenskraft im entscheidenden Moment. Dies kann den Beginn einer konkreten Handlung erleichtern.

  5. Prüfe äußere Bedingungen und suche dann ein passendes inneres Hindernis. Ein Plan darf nach dem Ausprobieren angepasst werden.

 

Zusatztipp – Der WOOP-Planer

Wenn du WOOP geführt umsetzen möchtest, lohnt sich ein Blick auf meinen kostenlosen WOOP-Planer unter https://werkzeuge.evoliare.com/woop-planer/ Mehr Werkzeuge findest du unter https://www.evoliare.com/werkzeuge.

 

Quellen & Weiterlesen

  • Oettingen, G. & Mayer, D. (2002): The Motivating Function of Thinking About the Future: Expectations Versus Fantasies. Journal of Personality and Social Psychology, 83(5), 1198–1212. Quelle öffnen

  • Kappes, H. B. & Oettingen, G. (2011): Positive Fantasies About Idealized Futures Sap Energy. Journal of Experimental Social Psychology, 47(4), 719–729. Quelle öffnen

  • Oettingen, G., Pak, H.-J. & Schnetter, K. (2001): Self-Regulation of Goal Setting: Turning Free Fantasies About the Future Into Binding Goals. Journal of Personality and Social Psychology, 80(5), 736–753. Quelle öffnen

  • Gollwitzer, P. M. & Sheeran, P. (2006): Implementation Intentions and Goal Achievement: A Meta-Analysis of Effects and Processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119. Quelle öffnen

  • WOOP my life: Wie geht WOOP? Offizielle deutschsprachige Anleitung zur Anwendung von WOOP. Quelle öffnen

 
 
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